Ah Yone Oo, Hall

Die Ah Yone Oo School ist ein von Help without Frontiers unterstütztes Migrant Learning Center in Mae Sot. Bereits 2023 konnte Jan Glasmeier gemeinsam mit einem freiwilligen Team und der Hochschule Dortmund zwei Projekte auf dem Schulgelände realisieren. Aus dieser gewachsenen Zusammenarbeit entstand das Vertrauen, auch 2026 wieder vor Ort tätig zu werden. 

Die Zahl der Kinder an der Schule steigt von Jahr zu Jahr - und mit ihr der Bedarf an geschützten, ruhigen und dauerhaft nutzbaren Lernorten. (Genau hier setzt das Projekt an: Architektur in ihrer Einfachheit eines gebauten Schutzraumes, wird als unmittelbare Unterstützung des Schulalltags verstanden.)

Im Rahmen des Hands on Formats der Stiftung Deutscher Architekten und in Kooperation mit der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen, Simple Architecture und lokalen Handwerkern waren wir 2026 erneut an der Ah Yone Oo School. Neben zwei neuen Klassenräumen entstand eine neue Aula als offener Gemeinschaftsraum.

Location
Mae Sot, Thailand

Type
Schule, Aula/Halle

Project Partner
Help Without Frontiers
Stiftung Deutscher Architekten
Architektenkammer NRW
Simple Architecture

Year
2026

Materials
Recyceltes Teakholz, Stahl, Ortbeton, Trapezblech

Team
David Frankemölle, Juliane Freitag, Amine Garbija, Marie Herzog, Sara Jane Higgs, Dayna Hülsevoort, Nils Kauenberg, Lisa Marie Müller, Sophie Passon, Leon Reimann, Hannah Rosenstein, Paula Wilden, Jan Glasmeier , Sanaz Kashi , Alessandra Esposito, Oliver Giebels, Jonathan Wiedemann

Credits
Jonathan Wiedemann

Feature
Building together on the Borderlands

Die neue Aula ersetzt die alte, baufällige Halle und wurde auf der bestehenden Bodenplatte des Vorgängerbaus errichtet. Sie bildet einen offenen, vielseitig nutzbaren Raum für Veranstaltungen, Austausch, Feiern und das tägliche Zusammenkommen der Schulgemeinschaft.

Wo Menschen zusammenkommen, braucht es nicht nur Fläche, sondern einen Raum, der Gemeinschaft ermöglicht.

Im Gegensatz zu den Klassenräumen stellte die Aula deutlich größere konstruktive Anforderungen. Mit einer Breite von rund 9 Metern und einer Gesamtlänge von etwa 20 Metern musste eine große Spannweite bewältigt werden. Das Tragwerk ist in einem Raster von ungefähr 2,80 Metern organisiert. Acht Achsen gliedern den Baukörper und geben der Halle ihre klare konstruktive Ordnung. Mit den aufgerichteten Tragwerkselementen erreicht die Konstruktion eine Höhe von etwa 7 Metern und bildet dadurch einen offenen, luftigen Raum auf dem Schulgelände.

Entstanden ist eine sichtbare Holzkonstruktion als robuste Rahmenstruktur. Sie ist einfach genug, um mit den vorhandenen Mitteln vor Ort gebaut zu werden, und zugleich stark genug, um der Größe und Nutzung der Halle gerecht zu werden. Die Konstruktion folgt damit denselben Grundprinzipien wie die Klassenräume: Lokal, einfach, reparierbar und ressourcenschonend.

Gestalterisch reagiert der Grundriss unmittelbar auf die vorhandene Umgebung. Vier Eingänge verbinden die Aula mit dem Schulhof und den angrenzenden Gebäuden: zwei zentrierte Zugänge an den Giebelseiten sowie zwei seitliche, zueinander versetzt angeordnete Eingänge. So nimmt der Bau die bestehenden Wegebeziehungen auf und unterstützt die alltäglichen Bewegungen zwischen Schulhof, benachbarten Gebäuden und deren Eingängen.

Aufgrund der Gebäudehöhe spielte auch der Umgang mit Wind eine wichtige Rolle. Die Giebelseiten wurden daher mit einer vertikalen Lattung versehen, die als Windbreaker dient und den Raum seitlich fasst. Die Dreischichtigkeit des Daches unterstützt eine natürliche Luftzirkulation im Innenraum und macht zugleich die konstruktiv notwendige, etappenweise Errichtung der Holzrahmen nach außen hin ablesbar.

Im Bauprozess wurde entschieden, die Halle über durchgehende Streifenfundamente zu gründen, um das hohe Gebäude gegen die starken Winde sicher im Boden zu verankern. Innerhalb dieser Fundamente wurden geschweißte Stahlprofile eingesetzt. Sie bilden die Stahlfüße, an denen die Holzelemente später fixiert, verschraubt und ausgerichtet wurden.

Der Holzbau der Halle besteht aus sechs Wandelementen und acht Dachträgern. Gewicht, Transportfähigkeit und Montage mussten dabei stets zusammen gedacht werden. Aufgrund der Größe wurde jeder Dachträger aus zwei Komponenten hergestellt. Diese wurden am Boden liegend vorgefertigt. Nachdem der erste Träger seiner Art fertig geprüft und für gut befunden wurde, diente er allen weiteren als Schablone und wurde in Serie produziert.

Das Aufrichten der Rahmen war einer der eindrucksvollsten Momente der Bauphase. Die schweren Holzelemente wurden gemeinsam bewegt, mit Seilen und Eukalyptushölzern gesichert, auf die Stahlfüße gesetzt, verschraubt und Schritt für Schritt ausgesteift. Besonders deutlich wurde dabei, wie wichtig die vorherige Planung der Montage war, wenn eine gesamte Konstruktion aus reiner Muskelkraft errichtet wird.

Nach Aufrichtung des gesamten Dachstuhls und anschließendem Richtfest erhielt die Halle durch Dachlatten und Trapezblech ihre schützende Hülle. Ein intensives Blau - die Farbe der Schule.

Alle Materialien stammen aus lokalen Werkstätten und Shops im unmittelbaren Umfeld.

In ihrer Materialität folgt die Aula denselben Prinzipien wie die Klassenräume: Lokal, einfach, reparierbar und ressourcenschonend. Verwendet wurden lokal beschaffte Baustoffe, wiederverwendetes Holz, einfache Stahlanschlüsse und Ortbeton. Die Konstruktion bleibt im Innenraum sichtbar und verständlich. Sie zeigt wie sie gebaut wurde - zeigt ihre Aussteifungen, Verbindungen, Zangen, Schrauben, Stahlfüße und handwerklichen Spuren - und kann dadurch auch in Zukunft überprüft, repariert und weitergedacht werden.

Gemeinsam anpacken - Großes bewirken.

Eine Halle dieser Größe entsteht nicht allein aus Zeichnungen, sondern aus gemeinsamen Handgriffen, aus Erfahrung und der Bereitschaft Gebautes zu überprüfen und zu optimieren. Die Montage war körperlich fordernd und konstruktiv anspruchsvoll. Gerade dadurch wurde sie zu einem gemeinsamen Lernprozess aller Beteiligten - und zu einem besonders starken Zeichen gemeinschaftlicher Arbeit. 

Verwendete Werkzeuge
10 Macheten, 10 Hammer, 5 Hacken, 2 Winkelschleifer, 2 Bohrmaschine, 1 Akkuschrauber, 2 Kreissägen, 30 Eimer, 20 Kellen, 4 Wasserwaagen, 5 1/2 Zollstöcke, 4 Maßbänder, 56 Hände

Beteiligte Hände
Jan, Oliver, Jonathan, Sanaz, Alessandra, Pa Gee, Hantu, La Pu, Ali, Temu, Mae, Banja, Ayue, Budi, David, Leon, Nils, Amine, Marie, Hannah, Dayna, Sophie, Sara, Juliane, Paula, Lisa

Unterstützende Hände
Carly, Blue Temple, Taru, Franzi, Jones und viele Weitere


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